Gerold Tietz
Gerold Tietz.
Schriftsteller.
[Kontakt] [Impressum] [Rechtliches]
Gerold Tietz
Gerold Tietz


Gerold Tietz.
Schriftsteller.

Gerold Tietz: Böhmisches Richtfest - Verlagsinformation


I
nformation zu Gerold Tietz' Werk 'Böhmisches Richtfest'

Gerold Tietz - Böhmisches Richtfest (1.Auflage)


Mit 'Böhmisches Richtfest' hat der Esslinger Autor Gerold Tietz seiner 1997 erschienenen und 2005 neu aufgelegten 'Böhmischen Fuge' eine Fortsetzung gegeben. Er erzählt die Geschichte einer sudetendeutschen Familie seit dem Zweiten Weltkrieg.

"Ich möchte diesen Teil der Geschichte wieder ins kollektive Gedächtnis zurückholen", sagte der Autor bei der Vorstellung seines jüngsten Buches in der Stadtbücherei Esslingen und erteilte zugleich einseitig motivierten Darstellungen eine Absage.

Rassenwahn und Nationalismus beenden das gewachsene Zusammenleben von Juden, Tschechen und Deutschen, münden in Flucht und Vertreibung. Anna muss mit ihren Kindern den heimatlichen Hof verlassen. Gernot erlebt als Kind und junger Mann wie es ist - bedingt durch die erzwungenen Ortswechsel von Böhmen nach Bayern und schließlich nach Schwaben - zwischen allen Stühlen zu sitzen. Die Frage "Wo ist mein Zuhause?" ist deshalb kaum zu beantworten, muss aber immer wieder neu gestellt werden. Gernot erfährt Ausgrenzung und erlebt, wie sein böhmisches Dorf hinter dem Eisernen Vorhang verschwindet. Als junger Mann macht er sich auf die Suche nach seiner Identität. Immer wieder schnürt er die 'böhmische Hucke' auf, spürt den Geschichten nach, die man sich in der Familie erzählt. Gernot erkennt aber auch, dass Schuld nicht eindeutig zuzuweisen ist, dass selbst in seiner eigenen Familie vieles beschönigt oder verschwiegen wurde.

Gerold Tietz, 1941 in Böhmen geboren und 1945 mit seiner Familie nach Deutschland vertrieben, hat diese Geschichten vor dem Hintergrund politischer und kultureller Traditionen neu erzählt. So entsteht ein dichtes Bild, in dem private Schicksale und politische Verstrickungen fein verwoben sind. Dem Autor ist daran gelegen, die verschüttete gemeinsame Kultur von Juden, Tschechen und Deutschen, die 'verwobenen Beziehungen in den Dörfern' über Zerstörung und Verwüstung hinaus sichtbar werden zu lassen und ohne Beschönigungen darzustellen.

"Ich möchte diese multikulturellen Beziehungen wieder in das heutige Europa einbringen", erklärt er. Der Titel erinnere daran, dass es noch viel zu bauen gebe in der Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte: "Es ist eine Baustelle auf der Großbaustelle Europas."

Gerold Tietz entwirft mit seiner Absage an Klischees und Heimattümelei und seinem satirischen Blick ein engagiertes Gegenbild zur vorherrschenden Vertriebenenliteratur.




Gerold Tietz
Zeit für ein gutes Buch! (16:16 Uhr, 29.06.2017)