Gerold Tietz
Gerold Tietz.
Schriftsteller.
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Pressestimmen ausführlich








Zu: "Würdigung des gesamten Werkes":


Verleihung des Sudentendeutschen Kulturpreises für Literatur 2007:

"In seinen drei Romanen hat Gerold Tietz die jahrhundertealte Kultur des Zusammenlebens von Deutschen, Tschechen und Juden in Böhmen durch den Spiegel einer wechselvollen Geschichte und vieler Alltagsgeschichten auf faszinierende Weise vergegenwärtigt. Dabei werden Schicksale und Konflikte in friedlichen Zeiten, aber auch in den Einbrüchen von Nationalsozialismus, Krieg und Vertreibung sowie bei der Neuorientierung im Deutschland der Nachkriegszeit paradigmatisch durch eine Fülle farbiger Gestalten und Szenen dargestellt. Gerold Tietz leistet durch seine Erzählkunst nicht nur eine modellhafte Erinnerungsarbeit von hohem literarischem Rang. Er baut durch seine humanistische Grundhaltung auch Brücken zwischen der 'alten' und der 'neuen' Heimat und trägt so zu einem friedlichen Miteinander der Völker, Sprachen und Kulturen in Europa bei."
[Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste, 2007, Laudatio von Helga Unger]




Zu: "Böhmische Grätschen":


Sprünge zum Überleben
Der Roman "Böhmische Grätschen" von Gerold Tietz

"Böhmische Grätschen" heißt der jüngste Roman des Esslinger Autors Gerold Tietz, der kurz nach Erscheinen des Buches gestorben ist. Die NWZ verlost heute fünf Exemplare des Buches.

Wieder beschäftigt sich Gerold Tietz mit der wechselvollen deutsch-tschechischen Geschichte und mit den menschlichen Verwicklungen, die diese nach sich zieht. Vom 1. Weltkrieg bis in die 90er Jahre mit dem Sturz des Kommunismus spannt er den zeitlichen Bogen.
Tietz beschreibt Trennendes, vor allem aber Gemeinsamkeiten, die Tschechen und Deutsche verbinden - sowohl am Beispiel einzelner Familien als auch an der gesamten Gesellschaft. "Ich will erzählen, was zwei Diktaturen auf böhmischem Boden den Menschen im 20. Jahrhundert angetan haben, aber auch, wie sie gelernt haben, sich dagegen zu wehren, nämlich mit List und gegenseitiger Hilfe", betonte Gerold Tietz bei der Vorstellung seines Romans.
In vielen Episoden stellt er dar, wie Diktaturen Menschen instrumentalisieren und für ihre Zwecke benutzen. Immer wieder müssen sich seine Figuren unter dem politischen Druck die Frage stellen, wie weit sie gehen wollen, sich verbiegen lassen wollen, und wo sie für sich die Grenze ziehen. Schwarz-Weiß-Malerei ist Gerold Tietz' Sache nicht: Und so sind seine Protagonisten selten Täter oder Opfer allein. Immer steht auch die Frage nach Alternativen im Raum. Gerold Tietz zeigt die Spielräume auf - und seien sie noch so klein - menschlich zu handeln, Zivilcourage zu beweisen. Er ist zutiefst überzeugt: "Diktaturen erreichen ihre Ziele erst, wenn man aufgibt."
Und so sind es nicht nur die turnerischen "Grätschen", die die Sportler der tschechischen Sokol-Turnbewegung machen, sondern viel mehr noch die Sprünge, mit denen Menschen Hindernisse überwinden müssen, um zu überleben, auf die Gerold Tietz im Titel anspielt. Am Beispiel der Sokol-Turner zeigt der Autor die Vernichtung der tschechischen Kultur durch die Nazis auf. Genauso thematisiert er aber auch Zwangskollektivierung, Enteignung und Abtransport von Bauern, Stalinismus und Zwangsarbeit.
Gerold Tietz webt aus der Fülle von Geschichten - manchmal tragisch, zuweilen komisch, anrührend oder ermutigend - ein dichtes Bild einer Gesellschaft mit vielfältigen Prägungen."
[NWZ - Neue Württembergische Zeitung, 19.Dezember 2009]




Zu: "Böhmisches Richtfest":


"Der sechste Kontinent heißt Böhmen
Der Erzähler Gerold Tietz breitet vor dem Leser eine Familiensaga mit böhmischen Wurzeln aus
'Mon petit tcheque!' hatte die französische Hauswirtin erfreut ausgerufen. Der junge Student Gerold Tietz war ihr sympathisch und sie hatte ihm zu ihrem Bedauern mitteilen müssen, dass sie es ihren Mietern nicht zumuten könne, einen Deutschen einzuquartieren. Es war der Zimmerwirtin die aufrichtige Erleichterung anzumerken, als Gerold Tietz ihr bedeutete, dass er 1941 in Horka, einem böhmischen Dorf, geboren wurde. So wurde aus ihm ein 'kleiner Tscheche'!
Die biographischen Verwicklungen seiner Herkunft samt Vertreibung und Nachkriegssozialisation bilden für Gerold Tietz einen beredten Hintergrund seiner Romane und Erzählungen, die zum Teil übrigens auch in das Tschechische übersetzt wurden.
Der Roman 'Böhmisches Richtfest' entfaltet in 22 Kapiteln eine Familiensaga, deren geographischer Ausgangspunkt im nordböhmischen Horka bei Dauba liegt. Die Vertreibung der deutschstämmigen Böhmen aus der Tschechoslowakei, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einsetzte, hatte auch diese Familie in den Westen verschlagen. Gernot, die Hauptfigur des Romans, wurde in diesem Dorf geboren, wuchs aber in einer schwäbischen Kleinstadt auf. Ohne große Mühe lassen sich Übereinstimmungen zwischen dem Autor Gerold Tietz und jenem Gernot Tiel aus dem Roman ausmachen.
Gernot und sein älterer Bruder Hagen wachsen mit ihrer Mutter Anna auf. Es wird aber auch von der Sängerin Magda, der Tante Rosa oder Mizzi aus dem Böhmerwald berichtet, deren Schicksale eng mit der Familie verbunden sind. Es werden Erlebnisse während der Flucht in den letzten Kriegswochen erzählt, vor allem aber Begebenheiten aus dem schwäbischen Tuttlingen, wo die Familie inzwischen in der Eisenbahnstraße untergekommen ist. Die Nachbarschaft besteht zumeist aus Personen, die es aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern oder sogar aus Ungarn und Rumänien in das Schwäbische verschlagen hat.
Entsprechend bunt und gemischt geht es zu. Für den kleinen Gernot liegen genügend Bilder und Geschichten, Gerüchte und Geheimnisse bereit und seine lebhafte Wahrnehmung lässt ihn nicht im Stich. In der Schule wird es einmal eng für ihn, als ihn der Lehrer vor der Klasse in Verlegenheit bringt, indem er nach Gernots Herkunft, ja nach dem Erdteil seiner Herkunft fragt. Die Pausenglocke verhindert seine Antwort, die er sich fest für die nächste Stunde vornimmt: 'Ich komme aus dem sechsten Kontinent – aus Böhmen.'
Dieser Roman entfaltet sich um seinen böhmischen Kern. Der Dreh- und Angelpunkt der Familienherkunft, das Dörfchen Horka in Nordböhmen, existiert allerdings lediglich in der Erinnerung und wird laufend durch Rückprojektionen inszeniert. Die Gegenwart des Erzählers findet hingegen anderswo statt: im schwäbischen Tuttlingen, im Paris der 60-er Jahre, wo der junge Gernot als Student lebte, oder auch im Prag der reformkommunistischen Monate unter Alexander Dubcek im Jahr 1968. Doch trotz aller Gegenwart – der böhmische Kontinent steckt Gernot in den Knochen. Ganz kreatürlich, wenn er alleine an die Essgewohnheiten der böhmischen Küche seiner Kindheit und Jugend denkt. Nicht jeder weiß etwas mit Buchteln, Kirschknödeln, Kleckselkuchen oder Tolken anzufangen: 'So kunstvoll wie Anna zu klöppeln verstand, so fingerfertig wickelte sie das Gedärm eines Hasen ab, zog einem Karpfen, der mit den Augen noch glupschte, die Galle heraus und rexte junge Reizger ein.
Gerold Tietz beeindruckt mit seiner Sprachkraft, die sich nicht zuletzt einem aufmerksamen Studium dialektaler und soziolinguistischer Sprachverwendung verdankt. Eine gut durchkomponierte Erzähltechnik lebt von geschickt eingesetzten Rückblenden sowie inszenierten Traumsequenzen.
Eines der Kennzeichen in Gernots Erlebniswelt ist ein Hin- und Hergerissen-Sein, das in der Vertreibung seinen sinnfälligen Ausdruck findet. Es zeigt sich aber auch in den Konflikten seines sozialdemokratischen Vaters mit strammen nationalsozialistischen Mitläufern oder Anfeindungen seitens tschechischer Hitzköpfe. Aus 'roten Schweinen' waren über Nacht 'Nazischweine' geworden. Auf sudetendeutschen Jahrestreffen aber fühlt sich Gernot Tiel auch wieder als Fremder inmitten der eigenen Landsleute: 'Ausgießung des Volksgruppengeistes, heilige Erde, Trommelwirbel und Fackellauf.' Immer wieder sitzt Gernot Tiel zwischen den Stühlen.
Gerold Tietz hat einmal auf eine Reihe von Beschreibungen hingewiesen, die ihm im Laufe der Jahrzehnte zugedacht waren: 'Karnickel, Watzlaw, Revanchist, Hundeschnäuziger, Hitlerist, Heimatdurchtriebener, Boche, Reingeschmeckter und Verzichtler.' Die zutreffendste fehlt: barocker böhmischer Erzähler!"
[Prager Zeitung/ Rezensionsforum Literaturkritik.de, 5.9.2007, von Volker Strebel]

"Geduldig schleppte Anna den Ersatzstammhalter in ihrem Bauch mit sich herum. Zwischen Backtrog und Dorfkapelle, zwischen dem Bild von Konrad Henlein während einer Wahlkampfrede auf dem Marktplatz von Eger und dem Ententeich." Mit diesem bildstarken Einstieg in den Roman ist schon der Rahmen abgesteckt. Gernot wird aus dem exorbitanten Bauch von Anna in Horka im Sudetengau geboren. Eindringliche Bilder von dem Kind, das beim Stopfen der berühmten Horkaer Gänse hilft und dabei der Dienstmagd Vlasta unter den Rock kriecht, erinnern in ihrer atmosphärischen Dichte und sprachlichen Eindringlichkeit an Günter Grass' Blechtrommel. Doch mit dem Leben auf dem Lande, dem Zupfen des berühmten Daubaer Hopfens und dem Stopfen der Gänse ist es bald vorbei. Nach Kriegsende sieht man die ehemalige Reichserbhofbäuerin Anna mit Tante Rosa und den beiden Söhnen Gernot und Hagen auf der Flucht. Der Autor Gerold Tietz, der 1941 im nordböhmischen Horka geboren wurde und die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg als Vierjähriger selbst erlebte, beschreibt den langen Weg von Böhmen über Bayern bis nach Schwaben.
In bildmächtiger und sehr plastischer Sprache erzählt er das Schicksal der kleinen Familie aus der kindlichen Perspektive Gernots, aus der die Geschehnisse wie unter einem Brennglas betrachtet werden.
Als Gernot ins Gymnasium kommt, kann er die Frage des Lehrers nach seiner Herkunft nicht beantworten. Kommt er aus Bayern oder aus Böhmen? Der Autor thematisiert die Frage der Identität, die auch für Anna noch im Alter von 90 Jahren auftaucht, als sie auf- grund einer Erbschaft einen neuen Ausweis beantragen soll und nicht sagen kann, in welchem Staat eigentlich ihr Geburtsort liegt.
Auf einer zweiten Erzählebene trifft man den Studenten Gernot an, der wegen seiner Doktorarbeit Richtung Frankreich unterwegs ist, während in Prag die russischen Panzer einrollen. Ein wenig beachtetes aber wichtiges Thema der Vertriebenengeschichte behandelt das eindringliche Kapitel "Sudetendeutscher Tag", in dem das Los der NS-Gegner und der Sozialdemokraten zur Sprache kommt. Anna und Gernot treffen Mizzi, das Mädel aus dem Böhmerwald, das 1943 der Reichsarbeitsdienst zu Anna auf den Hof geschickt hatte. Der Autor lässt Mizzi erzählen, von der faschistischen Bewegung um Konrad Henlein, dessen "Sudetendeutsche Partei" Hitlers Instrument zur Zerschlagung der Tschechoslowakei war, von den Umtrieben reichsdeutscher Jugendlicher in Böhmen, vom Volksgruppengeist und dem infamen Sturmbannführer Holub.
Der 65-jährige promovierte Historiker Gerold Tietz, dem in diesem Jahr der sudetendeutsche Kulturpreis für Literatur verliehen wurde, hat mit dem "Böhmischen Richtfest" ein beeindruckendes Stück Heimatkunde geliefert, eine brillant geschriebene und genussvoll zu lesende Geschichte der Kultur, die aus dem Miteinander von Tschechen, Juden und Deutschen ein unwiederbringliches Amalgam gemacht hat.
Und er hat dieses Buch wohl auch in dem Wunsch geschrieben, dass auf der Baustelle Europa Richtfest gefeiert werden kann."
[Lichtung - Ostbayrisches Magazin, Juli 2007/3, S.51, von Ines Kohl]

"Preis für Literatur an Gerold Tietz
Der 1941 in Horka (Nordböhmen) geborene Schriftsteller Gerold Tietz wurde im Jahre 1945 mit seiner Familie "aus den böhmischen Wäldern" zunächst in die bayerischen vertrieben, bis die Familie im württembergischen Schwaben eine dauerhafte Bleibe fand. Nach Gymnasialjahren in Tuttlingen folgte 1961 bis 1968 das Studium der Fächer Geschichte, Politik und Französisch an den Universitäten Tübingen, Paris und Berlin, das Tietz mit dem Examen für das höhere Lehramt an Gymnasien sowie 1969 mit der Promotion zum Doktor der Philosophie im Fach Geschichte abschloß. Von 1970 bis 2004 wirkte er als Lehrer am Gymnasium in Wendlingen; seither ist er freier Schriftsteller. Gerold Tietz ist Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller, der Esslinger Künstlergilde und der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste. 2006 erhielt er den Ersten Preis der Künstlergilde für Prosa.
Sein literarisches Debut, ein Band satirischer Prosastücke, "Satiralien - Berichte aus Beerdita" von 1989, ist eine Sammlung "scharfzüngig-poetischer Texte", die sich nach des Autors Worten "gegen Biedermeierei in Geist und Politik" der bundesdeutschen Nachkriegsära wendet. Dieser Text besticht bereits durch Einfallsreichtum, Witz und sprachliche Brillanz.
In dem Roman "Böhmische Fuge" (1997, 2. Auflage 2005) erscheint die Thematik von Flucht und Vertreibung als Kristallisationspunkt früher Erfahrungen aus eigener Perspektive; sie wird in einen breiten historischen Kontext gestellt. Tietz gehört noch zu der Erlebnisgeneration sudetendeutscher Autoren, die die Suche nach der eigenen Identität gerade auch im Hinblick auf das Land ihrer Herkunft nie losgelassen hat. Der Roman erzählt die wechselvolle Geschichte einer nordböhmischen Bauernfamilie in drei Generationen von der Zeit des Ersten Weltkriegs bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, als der Erzähler Gernot in Paris studiert. Weit über den biographischen Hintergrund hinaus verarbeitet der Autor aber auch zahlreiche über die Jahre von ihm gesammelte Geschichten aus der Heimat. Zu Anfang und Ende des Romans sucht der Autor, der sich in der Tradition des großen tschechischen Erzählers Jaroslav Hašek weiß, in verschmitztem Ton und verschwörerischer Manier die Spuren des braven Soldaten Schwejk, den er immer wieder im Verlauf des Romans apostrophiert. Den politisch-historischen Kontext der Familiengeschichte bilden das untergehende Habsburgerreich, die erste Tschechoslowakische Republik, die Naziherrschaft im Protektorat sowie die Zeit nach der Vertreibung.
Aus souveräner Kenntnis der Verhältnisse schildert der Erzähler in realistischer Manier mit surrealen Glanzlichtern das Leben auf einem Großbauernhof, die Welt der Arbeit und der Feste, die Erziehung seiner Mutter Anna in einem klösterlichen Mädcheninternat, die berühmte böhmische Küche, die Bräuche der böhmischen Dorfgeher, aber auch die haßvergifteten Konflikte eines deutschen "Reichserbhofbauern" mit einem jüdischen Hopfenhändler und einem tschechischen Kolonialwarenhändler. Da gibt es, den Zeitläuften entsprechend, Henleinanhänger und SS-Schergen, polnische und russische Fremdarbeiter, Täter und Opfer in vielfältigen Verstrickungen. In markanten Szenen, die oft in die Vorgeschichte eines Ereignisses zurückblenden, werden Schicksale dargestellt, deren Protagonisten nach einer weiten Skala menschlicher Eigenschaften agieren, die von hochherziger Güte über opportunistisches Mitläufertum bis zu gemeiner Niedertracht reicht. Nach den Wirren der Vertreibung - die Bauerntochter und junge Lehrerin Anna kommt mit ihren beiden kleinen Buben zunächst nach Bayern - werden die mühsamen Anfänge einer neuen Existenz im Nachkriegsdeutschland geschildert. Dabei wird deutlich, daß die ideologischen Vorurteile der Ewiggestrigen auch in der neuen Umgebung wirksam bleiben.
Das Werk ist getragen von einem tiefen Mißtrauen gegenüber falschen Autoritäten, Ideologien jeglicher Couleur, besonders gegen Nationalismus und Intoleranz, positiv gesprochen: Humanistisch-aufklärerischer Geist, aber auch Mitleid mit den Schwachen, Hilfsbedürftigen durchziehen als Basso continuo den Roman. Dem Autor ist mit dem Roman "Böhmische Fuge", der auf ebenso differenzierte wie virtuose Weise die Vielfalt und die Zerstörung einer jahrhundertealten Kultur schildert, auch ein Brückenschlag zu seiner Heimat gelungen. Dies bezeugt besonders die Übersetzung ins Tschechische: "Ceska fuga" (2005) durch Lucy Topolská von der "Arbeitsstelle für deutschmährische Schriftsteller" an der Universität. Olmütz/Olomouc. Mit Recht. rühmt Václav Maidl im Stifter-Jahrbuch (Neue Folge 13, 1999) an dem Roman unter anderem "raffinierte Komposition, attraktive Sprachgestaltung, vertraute Kenntnis des (sudeten-) deutschen wie tschechischen Milieus und der tschechischen Realität. Die angesprochenen Qualitäten garantieren, daß die ,Böhmische Fuge' kein kurzlebiges Buch sein wird."
In seinem zweiten Roman "Große Zeiten - kleines Glück" (2005) schildert Gerold Tietz aus der Perspektive einer jungen Pragerin, Tochter aus einer deutschen bildungsbügerlichen Familie, das Leben in Böhmen zwischen 1918 und 1939. Zunächst leben Deutsche, Tschechen und Juden in einem selbstverständlichen Miteinander, das sich jedoch, vor allem nach der Umwandlung der Tschechoslowakischen Republik in das vom Nationalsozialismus beherrschte "Protektorat Böhmen und Mähren", in ein immer bedrohlicheres Gegeneinander verwandelt. Auch in diesem Roman werden lebendige Charaktere mit ihren wechselnden Schicksalen auf dem Hintergrund der politischen Zeitläufte in atmosphärisch dichten Szenen dargestellt. Der neueste Roman des Autors "Böhmisches Richtfest". (2007) knüpft thematisch wieder an die '"Böhmische Fuge" an. Der mit seiner Mutter Anna zuerst nach Bayern, dann, ins schwäbische Württemberg geflüchtete Gernot sitzt, nach des Autors Worten, "zwischen allen Stühlen". Auch hier geht es um das politische Welttheater in Böhmen, Deutschland und Frankreich und besonders um dessen Auswirkungen auf das Alltagsleben der kleinen Leute.
Gemot knüpft früh Kontakte über die Grenzen des Eisernen Vorhangs hinweg, muß jedoch erleben, wie diese Kontakte durch den Einbruch der sowjetischen und mitteldeutschen Panzer gewaltsam unterbunden werden. Besonders ausdrucksstark in ihrer atmosphärischen Dichte und bildhaften Sprache sind die Kapitel über den Zusammenbruch des Prager Frühlings.
In seinen drei Romanen hat Gerold Tietz die jahrhundertealte Kultur des Zusammenlebens von Deutschen, Tschechen und Juden in Böhmen durch den Spiegel einer wechselvollen Geschichte und vieler Alltagsgeschichten auf faszinierende Weise vergegenwärtigt. Dabei werden Schicksale und Konflikte in friedlichen Zeiten, aber auch in den Einbrüchen von Nationalsozialismus, Krieg und Vertreibung sowie bei der Neuorientierung im Deutschland der Nachkriegszeit paradigmatisch durch eine Fülle farbiger Gestalten und Szenen dargestellt.
Gerold Tietz leistet durch seine Erzählkunst nicht nur eine modelIhafte Erinnerungsarbeit von hohem literarischen Rang. Er baut durch seine humanistische Grundhaltung auch Brücken zwischen der "alten" und der "neuen" Heimat und trägt so zu einem friedlichen Miteinander der Völker, Sprachen und Kulturen in Europa bei."
[Sudetendeutsche Zeitung, Volksbote, Folge 21, 25.5.2007]

"Brückenbauer zwischen Ost und West
Der Esslinger Schriftsteller Gerold Tietz ist mit dem Sudetendeutschen Kulturpreis 2007 für Literatur ausgezeichnet worden, der von der Sudetendeutschen Landsmannschaft und dem Land Bayern vergeben wird. Man zeichne Tietz für seine "modellhafte Erinnerungsarbeit von hohem literarischen Rang" aus, so der stellvertretende Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft Reinfried Vogler in seiner Laudatio beim Sudetendeutschen Tag in Augsburg.
Der 1941 in Nordböhmen geborene Schriftsteller setzt sich seit vielen Jahren kritisch mit der jahrhundertealten Kultur des Zusammenlebens von Tschechen, Juden und Deutschen auseinander und beschreibt deren Zerstörung. Er skizziert in seinem Roman "Böhmische Fuge", der 2005 neu aufgelegt und ins Tschechische übersetzt wurde, und dem 2007 erschienenen Nachfolgeband "Böhmisches Richtfest" wie auch in seinem weiteren Roman "Große Zeiten - Kleines Glück" das Alltagsleben und die wechselvolle Geschichte der Menschen, die in Flucht und Vertreibung mündet. Individuelle Schicksale und persönliches Erleben werden dabei immer in den historischen Kontext gestellt.
Tietz, der 1945 mit seiner Familie aus Böhmen vertrieben wurde, studierte Geschichte, Politik und Französisch. Er lebt seit 1969 in Esslingen und unterrichtete bis 2004 am Gymnasium in Wendlingen. Er ist Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller, der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste und der Esslinger KünstIergilde. Diese zeichnete ihn im vergangenen Jahr mit dem Ersten Preis für Prosa aus.
Tietz' Werk sei "getragen von einem tiefen Misstrauen gegenüber falschen Autoritäten, Ideologien jeglicher Couleur, besonders gegen Nationalismus und Intoleranz", würdigte Vogler den Preisträger. Ein "humanistisch-aufklärerischer Geist, aber auch Mitleid mit den Schwachen, Hilfsbedürftigen" durchziehe die "Böhmische Fuge". "Gerold Tietz leistet durch seine Erzählkunst nicht nur eine modellhafte Erinnerungsarbeit von hohem literarischen Rang. Er baut durch seine humanistische Grundhaltung auch Brücken zwischen der ,alten' und der ,neuen' Heimat und trägt so zu einem friedlichen Miteinander der Völker, Sprachen und Kulturen in Europa bei", betonte Vogler bei der Preisverleihung."
[Esslinger Zeitung, 18.6.2007]

"Für Gerold Tietz ist ganz Europa immer noch eine Großbaustelle, auf der es gilt, Richtfeste zu feiern. Der Esslinger Autor, der in Böhmen ge­boren wurde, wirbt für das Ver­ständnis unter Deutschen und Tsche­chen. An die gemeinsame Kultur an­zuknüpfen sei wichtiger als jeder verbale Schlagabtausch unter Politi­kern, sagte der 65-Jährige bei der Vorstellung seines jüngsten Romans in der Stadtbücherei. Jenseits von Heimattümelei bestellt Tietz mit der Geschichte von Anna und ihrer Fa­milie ein atmosphärisch dichtes "Böhmisches Richtfest", so der Titel des neuen Buches. Schuldzuweisungen wird der Leser darin nicht finden. Annas Sohn Ger­not erkennt, dass in den eigenen Reihen vieles beschönigt und ver­schwiegen wurde. Mit ironisch-amü­siertem Blick begleitet der Autor die Witwe mit ihren beiden Söhnen nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Weg von Böhmen über Bayern nach Schwaben. Tietz, der Geschichte, Politik und Französisch studiert und bis 2004 als Lehrer in WendIingen gearbeitet hat, freute sich, dass er dieses Jahr für sein Werk den Sudetendeutschen Kulturpreis für Literatur erhält. Dies zeige. dass man statt Polemik, die es nach wie vor gebe, auch Brücken bauen kann.
Bildgewaltige Sprache
Gerold Tietz wurde 1941 in Horka Nordböhmen geboren und hatte als Vierjähriger die Vertreibung erlebt. Sein jüngstes Werk knüpft an den Roman ,.Böhmische Fuge", der die Geschichte einer sudetendeutschen Familie seit dem Ersten Well­krieg schildert, an. Aus der Ferne wird nun nach dem Zweiten Welt­krieg der Blick auf Böhmen gerich­tet. Der Protagonist Gernot sam­melt Geschichten. Wenn seine Mut­ter Anna erzählt. wie sie Horka ver­lassen hat, überfällt ihn eine selt­same Unruhe. "Dann taucht auf dem Treibsand der Straße Anna mit einer Hucke auf dem Rücken auf". Mit Kinderaugen. aber keineswegs verniedlichend, beschreibt der Au­tor die damalige Flucht. Das Szena­rio wird lebendig und berührt durch die bildgewaltige Sprache. Da wird die Welt wie eine Semmel zerbrochen und der Himmel bröckelt herunter. Während in der Nachkriegszeit die Erwachsenen das Leben organisieren, nehmen die Kinder alles ganz anders wahr. Der mühsam ergatterte Stuhl wird zum Sprungbrett in den Fluß Alz.
Immer wieder müssen die Zuhörer im Verlauf der Lesung schmunzeln. Anna versucht nämlich vergeblich, ihren Sohn zu erziehen. Während um Gemot herum Eierlikör, Ku­ckucksuhren und Lastenausgleich für Aufschwung sorgen, würde er nicht wissen, wohin er gehöre, so Tietz. Anna lässt den Reichserbhof von einem Maler in Öl bannen. Ger­not vermisst jedoch auf dem Bild Menschen. "An Eigentum konnte sich Anna festhalten, aber an Men­schen?" Ironisch beschreibt der Au­tor die Welt der Kriegerwitwen in der Eisenbahnstraße. Frau Surek kommt aus Kattowitz, Frau Wira aus Goldap und das Plastikzeitalter ist angebrochen. Frau Krebs jam­mert, weil ihre Tochter mit einem amerikanischen Soldaten im Goggo­mobil durchgebrannt ist. Und Ger­not wundert sich. wieso der eine noch über "einer weißen Wolke in sei­nem ostpreußischen See schwimmt" und sein Großvater "auf seinem Berg Nedoweska thront".
Weißer Fleck Im Ausweis
Mit 90 Jahren sieht sich Anna auf­grund einer Erbschaft mit der Frage konfrontiert, in welchem Staat ihr Geburtsort Brotzen wohl liegt. Kai­serreich Österreich-Ungarn, viel­leicht lieber Tschechoslowakische Republik oder Sudetenland? Hinter dem Geburtsort bleibt im Ausweis schließlich ein weißer Fleck. Die Ka­pitel, aus denen er vorgelesen habe, folgten nur einem Erzählstrang, er­klärte der Autor. Ein zentrales Kapitel sei auch der Widerstand der Studenten 1968 in Tschechien. Au­ßerdem tauchen Figuren aus der "Böhmischen Fuge" wieder auf."
[Esslinger Zeitung, 24.3.2007]

"Die Versöhnung von Tschechen und Deutschen liegt Gerold Tietz am Herzen. In seinem neuen Roman ..Böhmisches Richtfest" webt der Schriftsteller aus Esslingen weiter am west-östlichen Band der Völkerverständigung [..]
Im Zentrum des Romans steht eine sudetendeutsche Familie, die 1945 vertrieben wird und sich mit dem Phänomen der Entwurzelung konfrontiert sieht. Anna muss mit den Kindern und Tante Rosa die böhmische Heimat verlassen, der Vater von Gernot gilt als vermisst. Das Leben ist hart. Die Schilderung der Ereignisse. die viele Vertriebene so oder so ähnlich erlebt haben, gipfelt bei Gerold Tietz jedoch nicht in harsche Schuldzuweisungen. Vielmehr ist es die Frage der Identität, die der Autor durch seine Protagonisten aufwerfen lässt.
Als beispielsweise Anna Jahrzehnte nach dem Kriegsende im Alter von 90 Jahren auf dem Tuttlinger Rathaus wegen einer Erbschaft einen neuen Pass beantragen muss, stellt sie das vor unerwartete Probleme. Nach ihrem alten Ausweis lebt die Frau im Nirgendwo. Hinter ihrem Geburtsort Brotzen gähnt in dem Dokument ein weißer Fleck. 1913, als Anna geboren wurde, regierte noch Kaiser Franz Josef. Auf die Habsburgermonarchie folgte die Tschechoslowakische Republik, es kam und ging das Dritte Reich, im Juli 1945 wurde Anna die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft entzogen. Anna ist staatenlos. Das sah auch der Beamte auf dem Rathaus so. "Er ließ den Platz hinter Annas Geburtsort Brotzen einfach frei. Warum sollte der Staat als solcher hier keine Pause machen? Schließlich diente auch er nur einem Staat, der als Provisorium galt", schreibt Gerold Tietz an einer Stelle des Buches. Mit dem "Böhmischen Richtfest" knüpft der 1941 in Horka geborene Schriftsteller an seinen Roman "Böhmische Fuge" an, der 1997 veröffentlich wurde und inzwischen auch in tschechischer Sprache erschienen ist. Für Tietz ist es entscheidend, dass sich die tschechische und die sudetendeutsche Seite ihrer gemeinsamen Wurzeln bewusst werden und nicht, wie dies meist geschieht, das Trennende betonen und das gegenseitig zugefügte Leid aufrechnen. Bei einem Treffen mit tschechischen Studenten in Olmütz ging es kürzlich ebenso wie in den Romanen um den "Versuch, ein Stück gemeinsamer Kultur, das verloren gegangen ist, zurückzuholen", sagt im Gespräch der Autor, dem für seine Verdienste um die Aussöhnung in diesem Jahr der Sudetendeutsche Kulturpreis für Literatur verliehen worden ist.
Der 65-jährige promovierte Historiker, der bis 2004 in WendIingen am Gymnasium unterrichtet hat, will mit seinen Geschichten die verschüttete Kultur, die Tschechen, Juden und Deutsche über Jahrhunderte hinweg in Böhmen geteilt haben, wieder freilegen und, ohne beschönigend zu sein, Klischees und Heimattümelei überwinden helfen. Im Titel klingt das Projekt an, um das es Tietz bei seinem Dialog geht: "Die Baustelle Böhmen auf der Großbaustelle Europa."
[Stuttgarter Zeitung, 24.3.2007]




Zu: "Große Zeiten - Kleines Glück":


"Gerold Tietz ist augenscheinlich mit der Gabe des Zuhörens und des Hinsehens begnadet. Die Stimmungen der bäuerlichen Landschaft ... im Jahresverlauf und in den Zeiten des Jahrhunderts gibt er ebenso exakt und sensibel wieder wie die Atmosphäre Prags vor und nach der Errichtung des ´Protektorats`. ... Tietz beschwört eine Welt, die die seine hätte werden können, die es aber nicht wurde, weil zerstörungswütiger Größenwahn sie in den Untergang trieb."
[Herbert Schmidt-Kaspar, München, 2007]

"Gerold Tietz betreibt die Suche nach Identität und Wahrheit mit feiner Ironie und sprachlicher Virtuosität."
[Preisverleihung der Künstlergilde, Anneliese Merkel, 2006]

"... eine detailreiche und eindrucksvolle Milieustudie, die das zunehmend problematisch werdende Zusammenleben von Sudetendeutschen, Tschechen und Juden in den Zwischenkriegsjahren beleuchtet. ...Gerold Tietz ... nähert sich jener Zeit ohne Vorwürfe und ohne falsches Pathos, stattdessen mit Hilfe von Zeitzeugen und einer beträchtlichen Portion Ironie sowie der kritischen Distanz des Historikers."
[Esslinger Zeitung, 22.9.2005]

"Große Zeiten, kleines Glück" spiegelt dieses ´multikulturelle` Leben (in den Dorfgemeinschaften im Sudetenland) wider, in teils skurrilen, teils tragischen Geschichten, die sich zwangsläufig aus einer derart bunten Gemeinschaft ergeben. Tietz´ Roman lebt von seinem packenden, lebendigen Erzählstil. ... Erst der Einblick in das individuelle Schicksal ... zeigt, wie Politik das Privatleben von Menschen zerstören kann. Dadurch schafft Tietz eine sehr persönliche Atmosphäre ..."
[Wendlinger Zeitung, 23.9.2005]

"Auf der Suche nach einer kraftvollen Kultur
Der Esslinger Autor Gerold Tietz und sein neuer Roman 'Große Zeiten - Kleines Glück'
Esslingen. In seiner 'Böhmischen Fuge' hat Gerold Tietz versucht, das Zusammenleben von Tschechen, Juden und Deutschen vor der Nazi-Zeit zu beschreiben. Auch sein neues Buch führt zurück nach Prag - auf der Suche nach einer verlorenen Kultur.
Auch wenn das Buch in einer anderen Zeit spielt, so hält Gerold Tietz seinen neuen Roman 'Große Zeiten, kleines Glück' für überaus aktuell: 'Schließlich geht es darum, wie verschiedene religiöse Gruppen zusammenleben, und wie sich Menschen in einem Moment verhalten, in dem radikale Gruppen versuchen, sie zu instrumentalisieren.'
Gerold Tietz ist Sudentendeutscher, 1941 geboren in Horka. Doch wer den ehemaligen Lehrer wegen dieser Tatsache in eine Schublade steckt, der tut ihm Unrecht. Tietz schreibt, um das noch heute von vielen Tschechen wie Sudentendeutschen gepflegte Bild voneinander zurechtzurücken und 'um das Thema Heimat und Vertreibung nicht einigen Rechten oder Rechtsradikalen zu überlassen.' Auf der tschechischen Seite hat Tietz bei dem Versöhnungsprozess durchaus Fortschritte festgestellt. 'Es wird Zeit, dass sich nun auch die Sudentendeutschen einmal sebstkritisch hinterfragen. Das Verharren auf einer Position ist nicht sinnvoll.'
'Große Zeiten - Kleines Glück' erzählt die Geschichte der jungen Pragerin Rita, die nach dem Zusammenbrechen des Habsburger Reichs in einer Zeit aufwächst, in der sich das einstige friedliche Miteinander von Tschechen, Juden und Deutschen erst langsam und dann immer schneller ins Gegenteil verkehrt. Auf der Strecke bleiben nicht nur Menschen, ihre Hoffnungen und ihre Träume. Verloren gegangen ist in jenen Jahren, so sagt Tietz, auch eine kraftvolle Kultur, die Bestandteil europäischer Kultur war und die es gelte zurückzuholen.
Tietz erzählt die Geschichte nicht anhand der großen politischen Entwicklungen. Er schildert sie so, wie sie ganz normale Menschen erlebt haben. Dass in seine Bücher seine eigenen Erfahrungen, aber auch die Gespräche mit vielen Verwandten, Bekannten und Zeitzeugen einfließen, ist für Tietz eine Selbstverständlichkeit: 'Ich kann nur über Dinge schreiben, von denen ich die Hintergründe und die Atmosphäre kenne.'"
[Kai Holoch in: Stuttgarter Zeitung, 26.9.2005]




Zu: "Böhmische Fuge":


"Das ständige ´Umdrehen` und ´Hinterfragen` von scheinbar klaren Verhältnissen ist kennzeichnend für Tietz´ Art zu schreiben, ebenso das bewusste sich Abwenden von einer Haltung, die immer nur der verlorenen Heimat hinterher trauert und die Deutschen in der Opferrolle sehen möchte. ... Was ihn vom Lamento der von ihm selbst so genannten ´Heimathändler und Identitätsstifter` ... unterscheidet, ist ein suchender Blick, beharrliches Herausfinden wollen und Nachfragen, nicht nur nach der eigenen Herkunft und nationalen Identität, sondern auch ein Infragestellen jeglicher vorschneller Einordnungsversuche."
[Studentenzeitung an der Palacký Universität in Olomonc, 2005/2006, von Birgit Gunsenheimer]

"In tragischen und komischen Geschichten spiegelt sich die Zerstörung einer jahrhundertealten gemeinsamen Kultur. Dabei zieht eine Fülle von farbigen Figuren und Episoden am Leser vorüber."
[Pforzheimer Zeitung, 24.12.2005]

Auch tschechisch
Einer vergangenen Kultur hat der Esslinger Autor Gerold Tietz in seiner 'Böhmischen Fuge' ein Denkmal gesetzt. Jetzt erfährt das 1997 erschienene Buch nicht nur eine deutsche Neuauflage in der Reihe 'Lindemanns Bibliothek' im Info Verlag, sondern kommt im Herbst auch in tschechischer Übersetzung auf den Markt. Für den Autor ist dies eine besondere Auszeichnung: 'Ich habe das Buch auch und gerade für tschechische Leser geschrieben und möchte sie zum Dialog mit den Deutschen einladen.'
Der Roman erzählt die Geschichte einer sudetendeutschen Famlie seit dem Ersten Weltkrieg, stellt sie in den größeren Zusammenhang böhmischer Traditionen. Gerold Tietz, selbst 1941 in Böhmen geboren und 1945 mit seiner Familie nach Deutschland vertrieben, beschreibt das gewachsene Zusammenleben von Juden, Tschechen und Deutschen. Nationalismus und Rassenwahn machen dem friedlichen Miteinander ein Ende.
In den Sog dieser zerstörerischen Entwicklung gerät auch Anna, deren Mann an der Front ist. Während sie ihren Hof mit Zwangsarbeitern bewirtschaftet, suchen Ausgebombte und bessarabiendeutsche Flüchtlinge bei ihr Unterkunft. Doch bald erreicht der Krieg ihr böhmisches Dorf und sie muss mit ihren beiden kleinen Kindern den Hof verlassen. Private Schicksale und politische Verstrickungen werden von Gerold Tietz zu einem dichten Bild verwoben. Ihm geht es darum, die verschüttete gemeinsame Kultur über Zerstörung und Verwüstung hinaus sichtbar werden zu lassen.
60 Jahre nach Kriegsende sind die Themen Nationalismus, Flucht und Vertreibung noch immer von brennender Aktualität.
[Sudetendeutsche Zeitung, 26.8.2005, S.8]

'Böhmische Fuge' neu aufgelegt
Esslingen - Einer vergangenen Kultur hat der Esslinger Autor Gerold Tietz in seiner 'Böhmischen Fuge' ein Denkmal gesetzt. Jetzt erfährt das 1997 erschienene Buch nicht nur eine deutsche Neuauflage in der Reihe 'Lindemanns Bibliothek' im Info Verlag, sondern kommt im Herbst auch in tschechischer Übersetzung auf den Markt. Für den Autor ist dies eine besondere Auszeichnung: 'Ich habe das Buch auch und gerade für tschechische Leser geschrieben und möchte sie zum Dialog mit den Deutschen einladen.' Der Roman erzählt die Geschichte einer sudetendeutschen Famlie seit dem Ersten Weltkrieg. Gerold Tietz, selbst 1941 in Böhmen geboren und 1945 mit seiner Familie nach Deutschland vertrieben, beschreibt das gewachsene Zusammenleben von Juden, Tschechen und Deutschen. Nationalismus und Rassenwahn machen dem friedlichen Miteinander ein Ende.
In den Sog dieser zerstörerischen Entwicklung gerät auch Anna, deren Mann an der Front ist. Während sie ihren Hof mit Zwangsarbeitern bewirtschaftet, suchen Ausgebombte und bessarabiendeutsche Flüchtlinge bei ihr Unterkunft. Doch bald erreicht der Krieg ihr böhmisches Dorf und sie muss mit ihren beiden kleinen Kindern an der Hand den Hof verlassen. Tietz geht es in seinem Roman darum, die verschüttete gemeinsame Kultur über Zerstörung und Verwüstung hinaus sichtbar werden zu lassen. 60 Jahre nach Kriegsende sind die Themen Nationalismus, Flucht und Vertreibung noch immer von brennender Aktualität.
[Esslinger Zeitung, 15.8.2005]

"Der Text besitzt mehrere Qualitäten: raffinierte Komposition, attraktive Sprachgestaltung, vertraute Kenntnis des (sudeten)deutschen wie tschechischen Milieus und der tschechischen Realität... Die angesprochenen Qualitäten garantieren, dass die 'Böhmische Fuge' kein kurzlebiges Buch sein wird."
[Václav Maidl in: Stifter Jahrbuch, Neue Folge 13, 1999]

"Es ist ein Buch, das vor allem durch seinen neuen Blickwinkel auf das Thema Flucht und Vertreibung, das schon oft auf verschiedene Art gestaltet wurde, bedeutend ist; dsehalb halte ich es für wichtig, tschechische Leser darauf aufmerksam zu machen."
[Jenny Poláková in der Prager Literaturzeitschrift TVAR, 3, 1999]

"Je to kniha významná predevším pro nový pohled na téma, které bylo jiz mnohokrát ruzným zpusobem zpracováno, a povazuji za dulezité na ni ceské ctenáre upozornit."
[Jenny Poláková , TVAR, 3, 1999]




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